Qualitätskriterien für Wappenentwürfe

Bei den Entwurfsarbeiten geht es nicht vorrangig um perfekte Ausführung. Hier sind vor allem ausdrucksstarke treffende Motivideen, die Einhaltung des heraldischen Regelwerks und bildkünstlerischer Gestaltungsgrundlagen entscheidend. Wie das Beispiel zeigt, wird die Form des Wappenschildes gern benutzt, um Bildinhalte mit Bedeutung aufzuladen.
Ein Wappen ist aber etwas anderes als ein in die Schildform gesetztes Bild. Wodurch sich ein „richtiges“ Wappen von einem wappenähnlichen Emblem unterscheidet und worauf Sie beim Entwurf achten sollten, finden Sie in meinem Informationsblatt Wappenentwürfe.
 

Titel Wanderkarte    Schlaubekartenwappen

Titelgestaltung einer Wanderkarte im Gebiet des Amtes Schlaubetal

mit freundlicher Genehmigung des Urhebers
© Schlaubetal-Druck-Kühl OHG und Verlag

Amt Schlaubetal

offizielles Hoheitszeichen Wappen des Amtes Schlaubetal


Wappen unterliegen auf Grund ihrer geschichtlichen Entwicklung bestimmten Gestaltungsbesonderheiten, die über allgemeine künstlerisch- ästhetische Anforderungen hinausgehen. Bedingt durch die frühere Funktion des Wappenschildes als Teil der mittelalterlichen Bewaffnung und gleichzeitig als Trägerfläche von symbolhaften Erkennungszeichen ergibt sich eine Vielzahl von Gestaltungsregeln, die auch heute, nachdem sich die Funktion von Wappen wesentlich verändert hat, zweifellos noch große Bedeutung besitzen.

Geblieben ist die Forderung nach Prägnanz, guter Erkennbarkeit und Fernwirkung, Symbolgehalt und Wirkung als Identifikationsmedium. Unterscheidbarkeit, ja möglichst Einmaligkeit wird angestrebt. Eine Besonderheit ist auch, dass das Wappen allein durch die heraldische Beschreibung der Wappenfiguren, genannt Blasonierung, vor dem geistigen Auge eines jeden Wappenkundigen reproduzierbar wird. Neben einer historisch gewachsenen, sich entwickelnden Wappenbilderordnung, in der die wichtigsten Wappenfiguren beschrieben bzw. abgebildet sind, bestehen grundsätzliche heraldische Regeln.

Beispielsweise eine klar geregelte Farbgestaltung bezüglich der Zulässigkeit von Anzahl und Anordnung weniger definierter Farben. Es gibt Spezifika zur Widergabe von Fläche und Raum, zu Mengen und Proportionen in einem Wappen und Regeln zum Aufbau und der Präsentationsform eines Vollwappens, bestehend aus Wappenschild, Helm mit Helmzier und Helmdecken sowie zur Gestaltung der einzelnen Teile.

Außer diesen wappenkundlichen Gestaltungsregeln gilt es, Kenntnisse der Stilgeschichte einzelner Epochen ebenso zu berücksichtigen wie allgemeine Gesetze künstlerischer Gestaltung (Gesetze zu Bildform, Bildraum, Bildfarbe, Bildeinheit, Bildspannung) und wahrnehmungspsychologische Phänomene. Über die Wahl der Motive hinaus entsteht durch die konkrete stilistische Gestaltung eine bestimmte Ausstrahlung. Mehr oder weniger absichtsvoll kann man die verschiedensten Anmutungen erzeugen. Das Wappen kann z.B. hauptsächlich sachlich, nüchtern, pompös, erhaben, gewalttätig, grotesk, überladen, feinsinnig oder wie sonst auch immer wirken. Dabei spielt die künstlerischen Ausführung auch eine wichtige Rolle. Mehr dazu finden Sie unter Qualitätskriterien für Reinzeichnungen und Wappenverwendung.

Aber schon im Entwurf sollten Ihre Hauptintentionen verwirklicht sein. Der Entwurf muss darum präzise genug sein, um sich über die oben behandelten Fragen bereits verständigen zu können.

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